Bremsdefekt Steyr 680 9


Wir sind in Sibirien und endlich auch in Novosibirsk angekommen. Die letzten Tage waren für uns sehr anstrengend, aufregend und wir sind überglücklich es bis hierher geschafft zu haben. Vor ca. 900km kurz vor Omsk hatten wir einen Bremsdefekt beim Steyr 680. Wir haben einen Werkstattmarathon zurückgelegt und können nun fast im Schlaf die Bremsanlage auseinanderbauen. Aber fangen wir vorne an.

Werkstatt Blues Omsk

Loki und Omsk-4Nach Kungur geht es für uns weiter in Richtung Sibirien. Wir passieren Ekaterinburg und sind endlich in Asien. Unsere Schwierigkeiten in der Ukraine sind vergessen. Wir spielen uns ein und von Tag zu Tag macht uns die Reise noch mehr Spaß.

Loki schnurrt und läuft ohne Probleme. Er wird alle 1.000km geölt, abgeschmiert und jeden Abend bei Ankunft sowie jeden Morgen bei Abfahrt einer Sichtkontrolle unterzogen. Besser kann es eigentlich gar nicht laufen.

Öldruckmanometer

Doch die Aufmerksamkeit ist Loki anscheinend zu wenig. Kurz hinter Ekaterinburg meldet er sich. Das Öldruckmanometer macht seinem Namen alle Ehre und es sammelt sich langsam Motorenöl in der Anzeige. Solange sich das Öl nur dort sammelt und nicht in der Fahrerkabine machen wir uns noch keine großen Gedanke. Wir sind auf der Suche nach einer Tankstelle oder nach Autoersatzteilen, um kurzfristig die Leitung zu verschließen oder ein alternatives Gerät einzusetzen. Wir fahren also weiter.

Je weiter wir in Richtung Osten kommen, desto weniger werden Tankstellen und Werkstätten. Der Ölstand im Manometer steigt weiter und wir entscheiden uns jetzt doch in die nächste Werkstatt zu fahren.

Weit und breit ist leider keine zu sehen, sondern nur eine Tankstelle. Ok, da halten wir und fragen.

Bremsdefekt Steyr 680 „Loki“

Loki und Omsk-17Wir fahren an die Tankstelle. Ich bremse, trete aber fast ins Leere – keine Bremskraft mehr. An der Tankstelle wird uns weiter geholfen und uns der Weg zur nächsten Werkstatt erklärt.Im Schritttempo fahren wir dorthin. Es ist nur ein Kilometer. Bei der Ankunft bemerken wir ein klappern hinten rechts am Fahrzeug. Die Mechaniker bemerken es auch. Loki wird aufgebockt, die Bremstrommel abgeschraubt und uns fällt die komplette rechte Bremse entgegen. Bremsbacken verbogen, die Federn haben sich um die Achse gewickelt. Hier in der kleinen Dorfwerkstatt kann das Problem nicht behoben werden. Die Reste der Bremse werden in eine Kiste verpackt. Die Bremsleitung abgeklemmt und weiter geht es in Richtung Ischim.

Wir stehen mit unserer Kiste mit den Resten der Bremse bei einem Teilehändler und einer Werkstatt. Beide schütteln den Kopf. „Omsk“, sagen Sie.

Es wird langsam dunkel – raus aus der Stadt aufs Feld und am nächsten Tag weiter nach Omsk.

Werkstatt Blues Omsk

Loki und Omsk-10Bei der Einfahrt in die Stadt sind links und rechts tausende von Werkstätten. Wir halten an und laufen mit der Kiste hinein. Enthusiastisch wird uns gleich weiter geholfen. Aber das Problem anscheinend nicht wirklich verstanden. Die Bremsbacken werden gerade gebogen, neue Bremsbeläge drauf und dann der Einbau versucht. Was aufgrund der defekten Einzelteile nicht funktioniert. Wir übernachten vor der Werkstatt und fahren mit dem Mechaniker von Werkstatt zu Werkstatt. Das Wort GAZ 66 fällt, vielleicht passen die Teile. Aber meist Kopfschütteln. Uns kann nicht weitergeholfen werden.

Wir verbringen Zeit damit in Foren um Rat zu fragen, Teilehändler anzuschreiben. Eins scheint sicher zu sein, wir brauchen Originalteile aus Deutschland.

Omsk nach Novosibirsk

Loki und Omsk-16Kurz hinter Omsk geht es noch kurz einkaufen. Beim Stopp prüfen wir noch – wie immer kurz die Bremse. Die Bremse hinten links ist heiß. Sie schleift. Es ist Feiertag heute und viele Werkstätten geschlossen. Wir fahren noch ca. 10km bis wir eine Werkstatt finden. Rein, aufgebockt, Hinterreifen ab, Bremstrommel ab. Die vordere Bremsbacke schleift, eine Dichtung im Bremszylinder ist defekt. Glück gehabt. In einer fünf Stunden Reparatur wird die Dichtung provisorisch erneuert und weiter geht es.

Für fahren langsam mit 50-60km/h weiter.

Nachts stehen wir auf einem unglaublich tollen Truckstopp und dann geht es weiter.

Der nächste Truckstopp. Am nächsten Morgen bemerken wir Getriebeöl an der rechten Bremse. Ein paar Trucker helfen uns den Reifen abzunehmen und nachzuschauen. Es läuft geringfügig an der Radnabe aus. Der Getriebeölstand ist in Ordnung, und keine Werkstatt, die uns helfen könnte, weit und breit zu sehen. Noch langsamer fahren wir weiter die letzten 300km nach Novosibirsk. Dort stehen wir beim Russisch-deutschen Haus. Vielleicht kann uns dort über Kontakte weitergeholfen werden.

Wir müssen dringend Ersatzteile aus Deutschland importieren, was nicht so einfach ist.

Wie die Geschichte ausgeht: Neue Bremse


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9 thoughts on “Bremsdefekt Steyr 680

  • Astrid Eisheuer

    Hallo Axel,

    die Strecke hier mit drei Bremsen war eigentlich ok. Keine Berge, gerade Straße und kaum Verkehr. Das Fahrzeug zog leicht nach links beim Bremsen, aber eigentlich haben wir sie hier fast nie gebraucht…defensives Fahren und vor Baustellen rechtzeitig runterschalten. Aber ab jetzt wird es bergiger und wir können so auf alle Fälle nicht weiter fahren. Drück die Daumen, dass die Ersatzteillieferung aus Deutschland klappt und schnell durch den russischen Zoll kommt.

    VG us Novosibirsk

  • Melanie & Karly

    Hallo Astrid & Sven,
    ihr macht ja tolle Sachen. Hoffentlich bekommt ihr das mit der Bremse gut und rasch hin, damit die Reise weitergehen kann. Wir drücken ganz fest die Daumen.
    Gruß
    Melanie & Karly

    • Sven Gruse Post author

      Danke Euch beiden,

      Die Russen versuchen die Bremse gerade nachzubauen. Wir werden das Ergebnis morgen sehen. wir sind gespannt.

      Viele Grüße aus Sibirien

      Astrid&Sven

  • Blaufotograph

    Hi Astrid & Sven,

    das sind ja echte Abenteuer… Irgendwo in der Fremde und der LKW ist kaputt, mit wenig Hoffnung auf die schwer erhofften Ersatzteile. Meint Ihr die Jungs aus der Werkstatt schaffen das?? Obwohl sie ja mit Sicherheit täglich viel improvisieren müssen.
    Ich bin immer ganz gespannt, was ihr als nächstes berichtet und was ihr alles erlebt.

    Viele Grüße, nun ja nach Asien. Toll, dass ihr diese Reise machen könnt. Da hätte ich auch echt Lust drauf… Nur leider…. ist das nicht in Sicht.

    Axel