Straßenverkehr in Indien und Nepal


Straßenverkehr in Nepal und Indien – ein kurzer Erlebnisbericht

Ich will noch nicht sterben – Straßenverkehr in Indien und Nepal

110km/h zeigt das Tachometer im Minibus als unser Fahrer versucht auf einer kurvigen mit Schlaglöchern gespickten Straße einen anderen Minibus zu überholen. Der andere Fahrer macht sich breit, die Straße ist dicht. Beide Minibusse sind nur halb gefüllt. Es gilt, wer zuerst in der nächsten Stadt ist, bekommt die Fahrgäste. Eine Wettfahrt entbrennt.
Für einen Ausflug nach Kathmandu haben wir Loki in Pokhara gelassen. Zu voll, zu anstrengend sei die Fahrt heißt es.
Die letzten Wochen konnten wir den Verkehr aus Sicht eines Autofahrers betrachten. Gefährliche Überholmanöver haben wir schon in Indien gesehen. Es wird in Kurven überholt, ohne zu wissen, wer oder was kommt. Tempolimits gibt es in den Orten zwar meist: Das sind 40km/h oder ist es doch eine Mindestgeschwindigkeit?
Gerne verweise ich hier Gaby’s Äußerung in Facebook: Link

Es kommt Gegenverkehr. Unser Fahrer bricht den Überholversuch zum Glück ab. Aber leider nicht lange. Das Rennen geht weiter.

Auf unserer Fahrt mit Loki durch beide Länder sehen wir viele Unfälle, Fahrzeugwracks links und rechts der Straße, ob da jemand lebend rausgekommen ist, fragen wir uns. Kritische Situationen haben wir genug. Ein voller Bus kommt uns auf unserer Spur entgegen. Er überholt jemanden. Der Busfahrer gibt Lichthupe. Wir müssen eine Vollbremsung hinlegen und er passiert uns nur sehr knapp.

Hier in Indien und Nepal gilt, wer zuerst hupt oder ein Zeichen gibt, hat Vorfahrt. Das sind die einzigen Vorfahrtsregeln die zählen. Wer als erster zuckt, hat verloren. Die Schuldfrage ist meist auch recht einfach: Der größere Verkehrsteilnehmer hat Schuld. Da bräuchten wir im Loki bei einem Unfall nicht diskutieren. Aber ob das dem Autofahrer oder Mopedfahrer noch hilft, wag ich zu bezweifeln.

Das Auswärtige Amt warnt davor in Ländern wie Nepal oder Indien lokale Busse zu benutzen: „Von Fahrten in normalen Überlandbussen wird wegen der Vielzahl von Verkehrsunfällen, die häufig den Tod sämtlicher Insassen zur Folge haben abgeraten. Bei Fahrten über Land sollten ausschließlich gekennzeichnete Touristenbusse benutzt werden.“ (Quelle: Auswärtiges Amt, Stand 14.Juni 2015)

Wir sind zwar als zweiter im nächsten Ort, doch haben zum Glück zwei Fahrgäste mehr. Die Fahrweise unseres Minibusfahrers wird entspannter. Nur die normalen blinden Überholmanöver und kräftiges Gehupe.

Die Logik im Straßenverkehr in Indien und Nepal bleibt uns Europäern wahrscheinlich immer ein Rätsel. Die Straße kennt unser Fahrer ja.

Es bleibt die Hoffnung, dass wir wie viele andere Reisende sicher in Kathmandu ankommen.

Vielleicht an der Stelle noch ein paar Regeln für das Fahren in Indien:

Hupen

Gehupt wird eigentlich überall. Hupt, wenn ihr überholt, wenn ihr denkt, dass ihr schneller seid oder wenn ihr Lust drauf habt.

Überholen

Überholen ist in den meisten fällen etwas kritischer. Wenn ihr überholt werdet, denkt für den anderen Fahrer mit. Meist reicht der Platz nicht für einen kompletten Überholvorgang, das bedeutet, ihr müsst ggf. abbremsen und weiter nach links fahren.

Gegenverkehr

Gibt es eine Engstelle, so wird Euch das entgegenkommende Fahrzeug meist Lichthupe geben. Das bedeutet, ich bin schneller, warte. Ihr könnt auch Lichthupe geben und die Diskussion dann in der Engstelle austragen. Habt Ihr das größere Fahrzeug, wird der Gegenverkehr meist warten. Das sollte Ihr im umgekehrten Fall auch machen. Inder orientieren sich auch gerne an der rechten Seite Eures Fahrzeuges beim Fahren und machen relativ spät Platz. Fahrt einfach etwas weiter rechts und der Gegenverkehr wird Euch eher Platz machen.

Parken

Eigentlich dort wo Platz ist. Wenn Ihr dort den Verkehr stört, wird Euch schon jemand darauf hinweisen.

Straßen

Ein Highway ist nicht zwingend ein Highway nach europäischem Verständnis. Es heißt eigentlich nur, dass dort auch Trucks fahren können. Der Highway kann schmal, schlecht und sonst etwas sein. Auf den Straße tummelt sich auch alles an Verkehrsteilnehmern, was Ihr Euch vorstellen könnt: Fußgänger, Radfahrer, Trucks, Busse, Autos, Motorräder, Kühe, Ziegen, Schafe usw. Da geparkt wird, wo Platz ist, werden auch breite Straßen ganz schnell sehr eng.

Verkehrsbedingtes Halten

Den Begriff gibt es meiner Meinung nach in Indien nicht. Sollte sich vor Euch der Verkehr stauen, geht jeder Fahrer davon aus, dass Ihr wohl parken. Es wird gehupt und vorbei gefahren. Aus solch einer Situation entstehen die schönsten Staus und das schönste Verkehrschaos. Manchmal kann es bei geschlossenen Schranken bis zum nächsten Zug dauern, dass sich der Verkehr entzerrt.

Licht

Wundert Euch nicht, wenn es abends ist, dunkel wird und kein Inder mit Licht fährt. Beim Licht geht es eigentlich darum, dass der Fahrer etwas sieht, nicht das er gesehen wird. Das Licht ist dann nachts auch meist aufgeblendet, denn so sieht der Fahrer besser. Das der Gegenverkehr nichts mehr sieht, ist zweitrangig. Die Rücklichter funktionieren häufig auch nicht. Warum auch, mit Ihnen sieht der Fahrer nicht mehr.

Linksverkehr

Prinzipiell herrscht Linksverkehr in Indien. Aber wundert Euch nicht, es kann schon mal sein, dass Euch jemand im Kreisverkehr oder auf Straßen falsch herum entgegenkommt. Der Weg ist dann wohl kürzer.

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