Srinagar – Kashmir


Wir sind in einer anderen Welt. Nach mehreren Wochen im buddhistischen Ladakh sind wir im moslemisch geprägten Kashmir in Srinagar angekommen.

Kashmir – Srinagar

Die Region Kashmir gehört noch immer zu den gefährlichsten Reiseregionen auf der Welt. Überall sind indische Truppen stationiert, es gibt Gedenktafeln für die gefallenen Helden aus den indisch-pakistanischen Kriegen und auch noch regelmäßig Demonstrationen und manchmal Anschläge.
Trotzdem zählt die Region zu den aufstrebenden Touristenorten in der Welt. Es sind aber in erster Linie Inder, die hier her reisen.
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Ausländer sieht man auf den Straßen noch immer wenig. Und so stehen wir in einem der Hotels in Srinagar for free. Das Swiss Hotel Kashmir begrüßt gerne ausländische Gäste und gibt auch meist Rabatte. Mit Loki dürfen wir kostenlos parken, haben eine Dusche, dürfen die Küche benutzen und sogar noch freies Internet und das im Herzen von Srinagar direkt am Dal-See. Was will das Overlanderherz mehr?

Es war aber auch ein kleiner Kampf dorthin zu gelangen. Der indische Highway macht seinem Namen mal wieder nicht alle Ehre und verwandelt sich in eine kleine schmale, sehr befahrene Straße. Die Ausweichmanöver bei entgegenkommenden LKW’s werden da schon zu Herausforderung. Auch das Hupen des nachfolgenden Verkehrs macht das Fahren auf der Einfahrtstraße nicht wirklich entspannend. Nachdem dann noch das GPS streikt und uns auf einer anderen „Hauptstraße“ in die Stadt führen will, ist das Verkehrschaos vorprogrammiert. Wir schaffen es mal wieder den Verkehr kräftig aufzustauen.

Vielleicht sind wir etwas reisemüde, aber Srinagar selbst hat mal wieder nicht viel zu bieten. Die Altstadt ist dreckig, die Moscheen – naja es gibt deutlich schönere – und die Rundfahrt mit dem Touristenbus für 250 Rupies (wir sind übrigens die einzigen Gäste) bietet nur kunstvoll angelegte Gärten mit Blumen aus aller Herren Länder. Naja, dafür können wir auch in den botanischen Garten in München fahren.Srinagar-3

Aber das absolute Highlight – und es ist wirklich ein Highlight – ist eine Bootsfahrt auf dem Dal-See. Im See selbst gibt es viele Inseln, schmale Kanäle und eine Ruhe. Es erinnert mich stark an den Spreewald, aber das ganze auf Kashmiri.

Auf dem See selber liegen viele Hausboote. Sie sind ein Überbleibsel der Briten. Diese durften sich in Indien kein Land kaufen und wollten aber ihre freien Tage in der Höhe weit weg vom Monsun verbringen. So bauten sie sich Hausboote und lebten in der Regenzeit darauf.

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Heute zieht diese Attraktion viele Inder und auch ausländische Gäste an. Was ich persönlich nur etwas schade finde, dass sich viele indische Touristen aufführen, wie die Britten oder noch schlimmer. Naja die Britten habe ich nicht erlebt, aber das Auftreten der neureichen Inder dort, ist schon beschämend.
Im Restaurant beschweren sie sich ständig laut stark bei der Bedienung und lassen ihre die Kinder über die Tische lassen. Das gehört in meiner Beobachtung noch zu den kleinsten Sachen, über die ich mich wundere. Ein bisschen Respekt anderen gegenüber scheint mir da doch wohl angebracht. Hätte ich ein Restaurant in Srinagar, wäre es wohl leer. Ich würde jeden Einzelnen dieser dieser Neureichen mit einem Tritt nach draußen befördern. Hätte ich ein Ausflugsboot auf dem Dal-See, würde ich wohl alleine zurückkommen und meine Gäste zurück schwimmen. Aber reden wir es uns mal schön: Es ist nicht respektlos, es ist Kultur und Tradition.

Naja nichtsdestotrotz ist Srinagar eine Reise wert. Allein der Dal-See rechtfertigt das. Die Briten wussten schon, wo man seine Freizeit verbringen kann.

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