Siem Reap, Kambodscha 2012


Visa on arrival: Grenze Thailand – Kambodscha/ Aranyaprathet – Poipet vor der Weiterfahrt nach Siem Reap

Bis 2012 war es extrem schwierig ein kambodschanisches Visum bei Ankunft/ on arrival zu bekommen – also zum regulären Preis.
Grenze Kambodsche Thailand PoipetGrund: Nach der Ausreise aus Thailand – also im „Niemandsland“ – war die Visa-Verkaufsstelle so gut versteckt, dass nur ganz wenige, sehr Geduldige, sie gefunden haben. Hinzu kam, dass mindestens 20 Kambodschaner auf einen einredeten, Ihnen doch den Pass auszuhändigen, sie würden dann – gegen erhöhtes Entgelt natürlich – das Visum besorgen, eine andere Möglichkeit gäbe es nicht.
Dies hat sich 2012 vollständig geändert.
Es gibt ein großes, nicht zu übersehendes Steinhaus, mitten im Korridor zur Einreise, auf dem in großen Lettern das Wort „Imigration“ prangt. Dort gibt es auch wirklich – sogar recht zügig – das benötigte Visum und zwar für 20USD! (offizieller Preis)
Auf der thailändischen Seite der Grenze in Aranyaprathet stehen aber immer noch eine Menge Thailänder, die versuchen den Touristen ein Visum für 1200 Bht zu verkaufen.
Sie versuchen es auf zwei Weisen:
1)     Wenn Ihr mit dem Bus kommt, wird versucht, euch in ein „Tuktuk zur Grenze“ zu verfrachten. Diese Tuktuk fährt dann nicht zur Grenze, sondern zu einem Haus, vor dem offiziell gekleidete Thailänder stehen, die euch versuchen einzureden, dass es kein Visum on arrival gib und ihr das Visum nur hier kaufen könnt.

2)     Wenn Ihr – schlauerweise – nicht in das Tuktuk steigt (von der Bushaltestelle zur Grenze  sind es nur höchstens 5 Minuten zu Fuß) werdet Ihr direkt vor dem Gang zur Ausreise abgefangen. Auch hier wird wieder behauptet, dass Ihr keine Visum im „Niemandsland“ hohlen könnt! Es gäbe nur auf der thailändischen Seite das benötigte Visum für 1200 Bht.
Lasst euch nicht verunsichern, es stimmt nicht!
Reist aus Thailand aus, geht den Korridor entlang und haltet auf der rechten Seite Ausschau, Ihr werdet das Gebäude sofort sehen!
Noch im Korridor kommen euch kambodschanische Beamte zur Hilfe, denn das kambodschanische Ministerium für Tourismus hat beschlossen, dass mehr für die Touristen getan werden muss und das kambodschanische Ansehen wegen der Grenzmiseren schon genug gelitten habe.
Diese Beamten helfen euch sowohl die richtige Verkaufsstelle zu finden, als auch bei der Einreise und der anschließenden Fahrt zum Busbahnhof.
Am Busbahnhof  fahren Busse und Minivans/shared taxis nach Siem Reap. Mittlerweile gibt es sogar einen offiziellen Ticketschalter, auch für die Fahrt mit dem Minivan.

Tempel von Ankor Wat (Siem Reap)

Schon als wir den ersten Tempel im morgendlichen Dunst auftauchen sahen, waren wir tief beeindruckt.
Warum nur sind diese Temple so besonders faszinierend selbst für Reisende, die schon seit 4-6 Wochen ständig Tempel gesehen haben? Siem Reap, Cambodia, Angkor Wat! Allein die Tatsache, dass sie groß und alt sind, reicht dafür wohl nicht aus.
Siem Reap, Cambodia, Angkor Wat
Ihre Lage mitten im Urwald?
Das schon eher!
Das Fehlen jeglicher Farbe, insbesondere das Fehlen von Gold!
Dieser massive graue Stein, der da aus dem Urwald ragt, ist für die Ewigkeit gebaut.
Das tragische Ende der Bewohner trägt sicherlich zur Faszination bei. Auf dem Höhepunkt ihrer Kultur begann der Untergang.
Nur den Bauwerken einer solchen Kultur kann wohl auch eine höhere Macht nichts anhaben – so scheint es!
Höher und höher geht es – begleitet von Apsalas und Dämonen – hinaus, bis man sich über den Wipfeln der höchsten Bäume wiederfindet.
Verständlich der Gedanke, dass man von der Natur nicht besiegt werden kann – ja – dass man selbst die Natur besiegt hat, wenn es einem möglich ist, einen Tempel zu errichten, der höher ist, als alles was die Natur geschaffen hat (zumindest alles was von hier aus sichtbar ist).
Tempel von Angkor Wat, Siem ReapVon hier oben kann man scheinbar unendlich weit sehen, bis zum Horizont.
Nichts kann einen unbemerkt angreifen, man sieht Menschen, Waldbrände, Unwetter…
Nur das Ausbleiben von Regen, das kann man zwar auch sehen, aber man kann nichts dagegen tun!
Weiter ging es von Tempel zu Tempel.
Manche im Wald gelegenen waren nur wenig bis gar nicht besucht – abgesehen von zwei Französinnen, die es tatsächlich geschafft hatten sich im Wald, auf dem Weg nach Bayon, zu verlaufen.

Bayon – der Tempel der Gesichter

Es ist schon unheimlich, wenn einen aus jeder Ecke Augen zu beobachten scheinen. Augen, die in jede nur erdenkliche Richtung blicken, um den Bewohnern alles mitzuteilen, was auf der Erde geschieht.
Die Augen von Bayon haben den Untergang von Ankor und das Regime von Pol Pot gesehen. Egal was auch geschieht, sie starren immer mit dem gleichen Gesichtsausdruck in die Ferne, als ob sie alle Zeiten überdauern würden.
Ich finde das sehr beruhigend.
Nach der Besichtigung in gefühlten 80 Grad Hitze, stand uns noch eine Anstrengung bevor:
-Finde das richtige TukTuk –
So gerne wie sich ein TukTuk zum anderen gesellt, gesellt sich auch ein TukTuk-Fahrer zum anderen. Im Ergebnis gibt das eine etwa Fußballfeld große Fläche voller TukTuks, die – in dieser Situation – alle wirklich gleich aussehen!
Also Tipp: Immer vorher TukTuk mit Fahrer fotografieren! Erleichtert die Suche enorm!

Floating market –Siem Reap –Speichersee- Warnung an Alle!

Am nächsten Tag beschlossen wir die „floating markets“ in der Nähe von Siem Reap, in einem Speichersee (es gibt noch andere weiter weg!) zu besichtigen.
Siem ReapAlso auf ins TukTuk. Während der halbstündigen Fahrt konnten wir gut beobachten, welche Schäden die große Flut im Winter angerichtet hatte.
Die Fahrt führte uns vorbei an kilometerlangen Lotusplantagen. Nachdem wir Siem Reap verlassen hatten, konnte man erahnen, wie es wohl in Kambodscha abseits der Touristenhauptströme wirklich aussieht.
Felder durchsetzt von kleinen Hütten, die zumindest in der größten Hitze den Feldarbeitern Schatten spenden sollten, Kinder auf dem Schulweg und überall von der Flut zerstörte Häuser.  Jedes größere Steinhaus trug die Aufschrift „donated by…“.
Dies Farben: Grün ist nicht einfach nur grün, es ist grellgrün! Auch braun, rosa und blau scheinen intensiver, ja leuchtender zu sein!
Bräunlich rote Straßen, die durch grün-rosa Lotusfelder führen unter strahlend blauen Himmel!
Dazwischen Kinder in weiß-blauen schuluniformen auf dem Weg zur Schule. Die Schulen natürlich auch „donated by…“.
So ging’s zügig übers Land vorbei an Stelzendörfern, deren Stelzen wohl über 10 Meter hoch waren. Um sich vor dem nächsten Hochwasser zu schützen, arbeitet man konsequenterweise mit „Höhe“.
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass die Straße, die wir fuhren, geteert war!
Teeren macht den Kambodschanern wohl mittlerweile Spaß, dass konnte man dann auch an dem „Hafen“ sehen. Es handelte sich schlichtweg um eine riesige geteerte Fläche, mit zwei Stegen, die zu den Booten hinab führen. Unten warteten kleine – Gott sei Dank – überdachte Schiffe, die die Touristen den Fluss hinunter auf den See zu den „floating markets“ bringen sollten.
Dass es sich um eine reine „Touristenveranstaltung“ handelte, war uns schon beim Anblick des „Hafens“ klar geworden.
Allerding hätte es definitiv kein Change gegeben, dass nun folgende „Programm“ zu umgehen.
Auf einmal setzte sich nämlich eine überraschend straff und wohl organisierte „Touristenabzocke Maschinerie“ in Gang.
Wir wurden auf das erst beste Boot bugsiert. Dann ging es den Fluss hinauf. Der ca. 13 Jahre alte „Bootsjunge“ unterhielt uns, in beschämend gutem Englisch, mit seinem Wissen über das Wasserdorf.
Angeblich hatte die große Flut hunderten von Menschen im Wasserdorf das Leben gekostet. Höflicherweise hinterfragten wir diese Aussage nicht, denn ist nicht der sicherste Platz bei einer Flut auf einem Boot? Wir sprechen hier nicht von einem Tsunami!
Na gut – viele Tote, deshalb viele Waisen, die nichts zu essen haben.
Nachdem der schwimmende „Slam“ vor uns aufgetaucht war, wurden wir sofort – Protest zwecklos, aussteigen geht nicht, zumal der See Krokodile beheimatet – zum „Market“ gefahren.  Hier sollten wir essen für die Waisen kaufen!
Der „Market“ bestand aus einem einzigen Boot!
Beim Anlegen, sahen wir noch wie andere Touristen kistenweise – wie sich später herausstellt YumYum Suppen – herausschleppten.
Umgehend wurden auch wir in den „Market“ bugsiert. Es gab Wasser, Reissäcke und – Kisten mit YumYum Suppen.
Ein freundlich – oder geschäftstüchtig – lächelnder Kambodschaner begrüßte uns sofort im perfekten Englisch.
Er stellt sich vor für einen halben Sack Reis 40 Dollar, für ca. 6 Liter Wasser 20 Dollar und für eine Kisten YumYums (50 Stk.) 35 Dollar zu bekommen.
Also manchmal kann ich auch wirklich unhöflich werden.
Die Preise käme aufgrund des Transports vom „Festland“ zustande – versuchte er sich rauszureden. Das Festland lag ca. 300 Meter entfernt!
Was tanken die? Flüssiggold?
Zum Vergleich: 20 kg Reis kosten in Deutschland 25,00 EUR, in Kambodscha ca. 5 Dollar, wenn überhaupt.
Keine „Vermittlungspauschale“ für unser Boot, Stimmung sank, eisiges Schweigen….
Böse reiche geizige Touris!
Daraufhin ab zur „Krokodilfarm“, aber in einem Tempo, dass selbst die Kinder in ihren Wannen, die Äste zum pappeln benutzen, noch längsseits gehen konnten, um zu betteln.
Nächstes Boot „Krokodilfarm“ mit Bettlern, diesmal aber nicht mehr nett, sondern richtig aggressiv. Die Schlangen, die sie dabei hatten, unterstrichen dies.
Da wir inzwischen den Punkt – schlechtes Gewissen, weil ich reicher weißer Tourist – was ist schon ein Dollar (na ja 200 x am Tag? 200 Dollar!) hier verhungern die Kinder und uns geht’s gut – überwunden hatten, blieben wir stoisch, flüchteten uns auf unser Boot und hatten die Nase gestrichen voll.
Siem Reap, floating marketsEin ca. 6 jähriges Mädchen ließ sich den Spaß jedoch nicht nehmen und ruderte leise in ihrer Wanne an unser Boot heran, um meiner Freundin die Schlange, die sie zum geldverdienen um den Hals trug –one photo- one dollar –  direkt ins Gesicht zustecken.
Spitze Schreie – zwar keinen Dollar, aber ich glaube für den Spaß hätte die Kleine sogar einen Dollar gezahlt, obwohl sie den Kopf schüttelte, als ich ihr die Hand hinhielt und fragt: One Dollar?
Wir freuten uns sehr, als wir wieder Land unter den Füßen hatten.
Lieber Leser bitte verstehe den vorstehenden Text zu den „floating markets“ nicht falsch!
Es handelt sich bei dieser speziellen Besichtigungstour, eben um eine Touristenabzocke!
Generell lässt sich über die Kambodschaner sagen, dass sie ein sehr nettes, hilfsbereites Volks sind. (auch ohne Geld für ihre Hilfe zu verlangen)
Zu erwähnen wäre beispielsweise hier der hilfsbereite Junge im Hotel, der uns bei der Buchung der Zugtickets für Thailand behilflich war. Da nur der „Hotelcomputer“ am Drucker hing und umstecken nicht möglich war, mussten wir auf diesem die Zugtickets ausdrucken. Hierzu bekamen wir auch umgehend die Erlaubnis.  Der Platz wurde für uns geräumt. Die Tastatur war jedoch so alt, dass keine Buchstaben mehr sichtbar waren.  Diese Kleinigkeit war wohl vom dem hilfsbereiten jungen Mann übersehen worden, denn immerhin konnten alle anderen Angestellten mit dieser Tastatur arbeiten. Umgehend nachdem er entdeckt hatte, dass wir wohl nicht in der Lage waren, diese Tastatur zu bedienen, setzte er sich hin und malte römische Buchstaben auf! Grinsend!
Sowohl ich, als auch meine Freundin haben vor, hierher zurückzukehren und das Land intensiv zu bereisen, da es uns sehr begeistert hat!

Am nächsten Morgen – Taxi nach Poipet – Bus nach BKK (Mo Chit) – genug Zeit zu entscheiden, wohin die Reise nun geht – in BKK- Stadtbus zum Bahnhof, Zug nach Chumpon, LKW zum Hafen, Fähre nach Kho Phangan, Minibus nach Chaloklum.
36 Std. nachdem wir Siem Reap verlassen lagen wir in der Hängematte vor unserer wunderschönen Hütte in Chaloklum an einem einsamen Strand.

Leave a Reply