Warum eine Reise kein Urlaub ist! 3


Bist Du der Meinung, eine Reise sei wie ein Urlaub, nur viel länger? Dann wirst Du die eine oder andere Überraschung erleben.

Die Qual der vollkommenen Freiheit oder warum eine Reise kein Urlaub ist!

Die Meisten von uns hatten im Leben niemals eine längere Phase, in der sie quasi jeden Tag tun konnten, was sie wollten.

Im Alltag dominiert die Arbeit unser tägliches Denken. Wir sind daran gewohnt täglich die Anweisungen anderer, z.B. Lehrer, Beamter oder Vorgesetzter zu bekommen und zu befolgen und eher seltener eigene Entscheidungen treffen zu müssen. Unseren Tagesablauf organisieren im Alltag andere für uns. Nur am Wochenende müssen wir selbst ran und wenn wir ehrlich sind, sind wir oft auch am Wochenende nicht immer 100% frei in unseren Entscheidungen. Familienfeiern, Feste und zu lange aufgeschobene Besuche stehen auf dem Programm.

Während einer langen Reise ändert sich dies aber vollständig. Jeden Tag darfst Du, aber musst Du auch selbst organisieren. Auf Reisen bist du so unabhängig und frei wie nur möglich. Diese faszinierende Vorstellung jagt manch einem während der Reise aber plötzlich auch Angst ein. Wir sind es gewohnt die Anweisungen anderer zu befolgen und unseren Tagesablauf danach auszurichten und von alltäglichen Anforderungen (Bank, Post, Amt…) gelenkt zu werden.

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Auf Reisen fallen aber all diese Fremdlenkungen weg: Du und nur Du entscheidest, was du heute machen möchtest und wohin Du morgen reisen möchtest oder ob Du doch noch hier bleibst! Oder…

Wir alle haben mit der Zeit verlernt einfach den Dingen ihren Lauf zu lassen. Es dauert ein bisschen, bis der Reisende wieder gelernt hat, dass nicht alles planbar ist, das man auch gar nicht weiterplanen sollte, als man muss und das der Sinn der Reise ja genau darin besteht dem durchorganisierten Alltag zu entfliehen, um sich fallen und treiben zu lassen.

Selbst heute noch, nach mehr als einem Jahr auf Reisen, ertappe ich mich selbst dabei, wie ich manchmal anfange Pläne zu schmieden, die, wie ich mittlerweile sofort erkenne, nur meine (Entscheidungs-)Freiheit in den nächsten Wochen unnötig einengen würden.

Left or right?

Im ersten Augenblick fühlt es sich gut an, zu beschließen: in zwei Wochen möchte ich da und da sein!

In nächsten Augenblick merke ich, dass ich damit meine Freiheit für die nächsten zwei Wochen aufgebe! Ich selbst zwinge mich in einer gewissen Geschwindigkeit auf das festgelegte Ziel zu und habe schon, wenn auch ohne Grund beschlossen, dass all Orte zwischen mir und dem imaginären Ziel keinen längeren Aufenthalt wert ist.

Die Reise beginnt erst, wenn man gelernt hat, in sich hinein zu horchen und das zu tun, was in diesem Moment das Richtige ist und nicht um jeden Preis das, was man sich irgendwann einmal vorgenommen hat oder was in Reiseführern steht.

Zu viel Planung kann schnell zu einem „Travel Burn out“ und großen Enttäuschungen führen. Eine Reise ist kein Urlaub und daher ist es auch nicht möglich über Monate hinweg jeden Tag eine oder mehrere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Wir sind Reisende geworden, weil uns der Urlaub immer zu kurz erschien, um Land und Leute wirklich kennen zu lernen. Dafür muss man sich nämlich einfach mehr als ein zwei Tage Zeit nehmen und sich auch mal ein bisschen Abseits bewegen. So manches Mal überkommt es mich aber wider besseres Wissen. Reiseführer ausgeliehen und schon geht’s los:

Uhi, da will ich hin und da und hier! Und dazwischen?

Die Strecke „dazwischen“ verkommt in diesem Fall zu einem notwendigen Übel, das man Durchqueren muss, um an sein Ziel zu gelangen. Dabei sind es meist genau diese „Zwischenstrecken“, die überraschendes und neuartiges, zu bieten haben. Und zwar genau die Dinge, die nicht schon von Touristen überlaufen sind!

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Wenn ich mir die Terrakotta Armee ansehe, dann ist der Anblick großartig, aber nicht überraschend. Ich sehe das, was ich vorher schon auf Fotos gesehen habe und zig tausend Touristen mit mir. Wenn ich aber aus Zufall, gerade auf so einem „Zwischenstück“, durch ein Tal in Laos fahre, dass einfach nur wunderschön ist und beschließe dort ein paar Tage zu bleiben, dann ist alles was passiert eine wirkliche Überraschung – ich habe nämlich keine besonderen Erwartungen oder Ansprüche!

Die Erfahrung lehrt: Wenn ich mich zu vielen Eindrücken in kürzester Zeit aussetze und mir keine Zeit lasse, diese zu verarbeiten, führt dies zu einer Überforderung und im schlimmsten Fall, zur Reiseunlust. Wir dürften diese Erfahrung in China machen, wo uns der Zeitdruck (organisierte Tour) zwang, in einem wahnwitzigen Tempo durch diese Land zu jagen. Die Stimmung wurde immer gereizter, immer mehr und mehr Besichtigungen wurden gestrichen und als wir nach einem Monat in Laos ankamen brauchten wir alle erst einmal mehrere Tage Pause, um uns zu erholen.

Der normale Urlauber hat meist ein ganzes Jahr, um die Eindrücke von 2-4 Wochen Urlaub zu verarbeiten, der Reisende eben nicht. Ständig kommt Neues hinzu.

Es ist leicht, ein Reise Burn Out zu vermeiden: Reise langsam und ohne zu viele vorher festgelegte Ziele. Lege viele Pausen ein. Wir reisen ja, um mehr Zeit zu haben als im Urlaub und eben nicht nur um Postkartenmotive zu sehen.

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Lasse dir Zeit, dich überraschen zu lassen! Lege den Reisführer ruhig einmal mehr beiseite.

Bewege dich langsam, vermeide zusätzlichen Stress durch Fliegen, benutze wenn immer möglich Verkehrsmittel, die die mehr Zeit lassen, Eindrücke zu verarbeiten.

Wir fahren mit dem Auto. Diese Art zu reisen ist speziell und es gibt wahrscheinlich genauso viele Pro`s wie Contra`s. Ein unwiderlegbares Pro ist auf jeden Fall die Unabhängigkeit, die wir verspüren.

Wir genießen diese Unabhängigkeit. Immer wieder finden wir abgelegene und wunderschöne Camps. Nun ist es aber nicht so, dass uns ein Camping- oder Reiseführer zu diesen Plätzen führt. Da müssen wir uns schon selbst umschauen oder uns vor Ort bei den Einwohnern erkundigen. Oft wissen wir am Morgen nicht, wo die Reise am Abend endet und das ist auch gut so!

Diese Art zu reisen lässt den Überraschungen viel Raum.

Reisen ist nicht Dasselbe wie Urlaub machen. Ja, Reisen können anstrengend sein. Das Gesehene und Erlebte ist die Anstrengung aber mehr als wert. Wahres Reisen bedeutet, dass man sich auf Neues, Ungewohntes und Unbekanntes einlässt, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommt und dabei lernt, sich selbst und die Welt ein bisschen besser zu verstehen.

Oder liege ich da falsch?

Eine Entdeckungsreise besteht nicht darin, nach neuen Landschaften zu suchen, sondern neue Augen zu bekommen.

Marcel Proust (1871 – 1922)


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3 thoughts on “Warum eine Reise kein Urlaub ist!

  • Chris

    Hi Astrid,

    Du hast vollkommen Recht. Eine Reise ist kein Urlaub. Ein sehr schöner Beitrag.

    Gegen Ende meiner letzten zweimonatigen Reise war ich auch satt. Satt an Eindrücken. Quasi urlaubsreif vom Reisen. So toll die Eindrücke und Erlebnisse auch waren, waren es doch zu viele in zu kurzer Zeit. Da wäre weniger echt mehr gewesen. Da quillt der Arbeitsspeicher im Kopf über.

    Was nicht heißt, dass ich es auf meiner nächsten Reise nicht wieder so mache 🙂 Mal sehen.

    Wir sehen beziehungsweise lesen uns. Meine Kontaktdaten kennt ihr ja. Ab Mitte April geht es auch bei mir wieder “on tour”. Genug gefaulenzt. Ab in die weite Welt. Nur dieses Mal reise ich alleine. Da weiß ich hundertprozentig was ich kriege.

    Dir und Sven alles Liebe und viel Spaß auf Eurer Reise. Bleibt gesund und genießt das Leben in vollen Zügen. Und trinkt einen Vodka oder etwas Hochprozentiges für mich mit 🙂

    Fühlt Euch herzlich umarmt
    Chris

    • Astrid Eisheuer Post author

      Hi Chris,
      wo gehts denn hin und wie lang? Wir fahren nach Nepal, also könnten wir uns in Myanmar, Indien oder Nepal treffen! Nach deiner letzten Reise kann ich mir vorstellen, dass du diesmal lieber alleine losziehst:-)

      Bin schon beim für dich mittrinken und diesmal keine gegorene Stutenmilch!
      herzallerliebste Grüße und Umarmung
      Astrid (derzeit Phnom Penh)