Kairo, Ägypten 2010 1


Es ist wirklich selten geworden, dass ich einen Reisebericht schreibe, aber Kairo beindruckt und stößt mich gewissermaßen gleichzeitig wieder ab. _MG_0584-2Die Stadt ist stressig und nicht wirklich schön, sehr geschäftig, aber dadurch irgendwie auch interessant.

Langeweile? Erster Eindruck von Kairo

Die Ankunft und der Transfer vom Flughafen haben problemlos geklappt. Nachdem mein Gepäck endlich vom Band war, erwartete  mich mein Fahrer schon mit dem Schild Ramses II Hotel Mr Sven Gruse. Ich möchte hierbei anmerken, dass es den Einheimischen vergleichsweise einfach fällt, meinen Namen auszusprechen und ich keine Durchsagen wie “Mister Seven Grus please come to gate seven” am Flughafen von Phuket bekomme.
Nachdem ich meinen Fahrer erst mal per Handschlag und mit einem lauten “Salem alaikum” begrüßt hatte, war das Eis schon gebrochen und ich durfte ihm eine Zigarette drehen. Auf dem Parkplatz sollte ich mir dann ein Auto aussuchen, mit dem wir in die Stadt fahren. Nachdem ich meine Wahl getroffen hatte, fuhren wir doch -Überraschung- mit einem anderen.
Auf der Fahrt sprachen wir über Gott und die Welt und seine ehemaligen Freundinnen – Er stand anscheinend auf Mädels aus Polen, der Ukraine und Russland-über Bayern-Manu und über den Verkehr. Ich dachte mir insgeheim schlimmer als zur Rush Hour in Bangkok oder Saigon kann es nicht wirklich sein, aber später mehr dazu.
Blick über Kairo
Angekommen in meiner Unterkunft, bezog ich zuerst mein Zimmer und ließ mir von einem Angestellten (die englische Übersetzung seines Namens ist Prince…die arabische Bezeichnung habe ich leider wieder vergessen) Kairo erklären. Während des Gespräches stiegen meine Kenntnisse der arabischen Sprache sprunghaft um 100% an, da ich das Wort „Shukran“ lernte, was soviel wie danke heißt.
Wir sprachen über dies und das und Prince teilte mir mit, dass Kairo eigentlich ein ganz sicheres Pflaster sei. Diebstähle etc. hätte ich nicht zu befürchten. Er wies mich aber eindringlich drauf hin mit dem Wechselgeld aufzupassen und Geschäfte auch auf eine nette Einladung hin zu meiden – man wird halt gerne abgezockt.

Ägyptisches Museum – oder die Sicherheitsvorkehrungen in Kairo

Nachdem ich mich am nächsten Tag endlich aus dem Bett gequält hatte, ging es nach einem mageren Frühstück mit meinem jetzt fast perfektem Arabisch los zum Ägyptischen Museum. Auf dem Weg wurde mir dann allmählich bewusst, dass die Jungs hier im Vergleich zu Asien etwas weiter waren und ihre Mofas gegen Autos getauscht hatten. Die daraus resultierende größere Knautschzone zeigte sich in der Fahrweise. Nach einigen Versuchen gelang es mir dann, die Straße vor dem Museum zu überqueren.
Dort erwarteten mich – als wäre es nicht anders zu erwarten gewesen – diverse Reisebusse.
Doch bevor ich zu den Reisebussen gelangen konnte, musste ich die erste Sicherheitsschleuse überwinden. Der Soldat am Eingang schien beeindruckt von meiner neuerworbenen Kairokarte und studierte sie ausgiebig. Nachdem er die Karte für sicher befunden hatte, durfte ich mich durch Massen von Touristen Richtung Eingang oder besser zur zweiten Sicherheitsschleuse bewegen. Hier angekommen, wurde mein komplettes “Gepäck” das zweite Mal gescannt. Das passieren dieser Schleuse ging relativ schnell, vielleicht lag es daran, dass ich meine Karte versteckt hatte. Nach einiger Zeit gelang es mir eine Eintrittskarte zu erstehen und ging langsam in Richtung Eingang. Dort kontrollierten bewaffnete Polizisten meine Eintrittskarte. Frohen Mutes ging ich dann die Treppen hoch um vor der dritten Sicherheitsschleuse zu warten. Und wiedermal wurde ich komplett kontrolliert.
Im Anschluss an den beeindruckenden Rundgang im Museum – hier muss ich noch einschieben: Das Museum ist der beste Platz, um die arabischen Zahlen zu lernen, da die Ziffern in der uns üblichen und der arabischen Schreibweise stehen – schlenderte ich gemütlich in Richtung Nil. Auf meinem kleinen Spaziergang fielen mir an so gut wie jedem wichtigen Punkt die Sicherheitskräfte auf. Zum Teil standen diese hinter schusssicheren Metallplatten – eigentlich krass.

Der Verkehr

Den ersten Eindruck vom Verkehr in Kairo konnte ich schon auf der Fahrt vom Flughafen gewinnen. Dreispurige Straßen wurden mal vier- und mal fünfspurig befahren. Das Prinzip ist relativ einfach, fahre dort, wo Platz ist.

Cairo by night

Cairo by night

Die Autos standen und fuhren Stoßstange an Stoßstange und Seitenspiegel an Seitenspiegel. Naja Rush Hour dachte ich damals noch als naiver Tourist, der das erste Mal in der Stadt ist. Die Hup-Attacken meines Fahrers beachtete ich auch nicht weiter. Später während der Fahrt erzählte er was von Michael Schuhmacher und wollte zeigen, dass er auch so gut fahren kann. Meine Bemerkung, dass ich gerne noch fünf Jahre älter werden würde, ignorierte er einfach. Gerade wollte ich mit dem Argument kommen, dass ich die Hotelrechnung noch zahlen muss, aber da stoppte der nächste Stau ihn in seinem Vorwärtsdrang.
Spätestens am zweiten Tag konnte ich die bei der Fahrt noch ignorierten Hupkonzerte nicht mehr ausblenden. Denn so eine wirkliche Randerscheinung ist es nicht. Ein Konzert, dass sich über die ganze Stadt erstreckt. Obwohl der Sinn des Ganzen hat sich mir bis jetzt noch nicht eröffnet. Vielleicht weiß jemand eine Antwort darauf, was das Ziel des Hupens ist, wenn man im Stau steht? Es geht mit oder ohne Hupen nicht weiter, oder liege ich da falsch? Naja, ich werde es versuchen, mal unter dem Punkt Kultur abzuhaken.
Interessant war auch mit anzusehen, wie sich versuchten Krankenwagen durch die Menge zu zwängen. Er machte zwar am meisten Krach, aber so wirklich vorwärts kam er damit nicht.
Die Ampeln in Kairo sind auch ein Phänomen, welche Menge an Strom, könnte sich die Stadt sparen, wenn sie die Ampeln einfach abstellt. Ob rot oder grün, es interessiert niemanden. Den einzigen Respekt (oder ist es die Angst?) scheint hier Polizisten entgegengebracht zu werden. Denen gelingt es halbwegs, Verkehrsteilnehmer an Kreuzungen zum Halten zu bewegen. Wenn ich das hier einschieben darf, der ruhigste Ort der Stadt, war bisher die Halle der königlichen Mumien im Museum.

Der Künstler

Auf dem Rückweg vom Museum kam ich ins Gespräch mit einem Künstler, der an der Oper arbeitete – so sagte er jedenfalls. Er erzählte, dass er nächsten Monat nach Deutschland kommt, um dort zu malen. Naja nach ein paar Tipps für die Stadt, die wie ich später bemerkte, alle in Richtung seines “Atelier” befanden, wollte er mir seine Visitenkarte geben, um weiß Allah was… Ich war nicht wirklich erstaunt darüber, dass er diese nicht dabei hatte, sondern im “Atelier”. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Am nächsten Tag war die Ersteigung der Pyramiden entweder mit japanischen Touristen oder deutschen Rentnern angesagt.

Die Pyramiden von Kairo

Nachdem ich die zweite Nacht gut hinter mich gebracht hatte, freute ich mich bereits auf mein karges Frühstück.
Überpünktlich um 8:30a.m. stand Ahmed mein Guide für die heutige Pyramidentour auf der Matte. “Kein Verkehr auf den Straßen” lies er verlauten, da es heute – im übertragenem Sinn – Samstag ist und alle schlafen. Das erklärte, warum das Hupen auf der Straße mir heute irgendwie fehlte.
Pünktlich – wie verabredet – also 10 nach 9 war ich dann auch endlich im Badezimmer fertig und es ging los. Unser Fahrer war Mohammed. Dies zu merken war relativ einfach für mich, denn Ahmed – ihr erinnert Euch mein Guide – hieß mit Nachnamen Mohammed. Vom Namen her gesehen ist es anscheinend in arabischen Ländern eine sehr einfache Geschichte, sofern man dies Verallgemeinern darf.
Nachdem nun wirklich Nichts auf den Straßen los war, erreichten wir Sakkara in Rekordzeit. Sakkara wurde unter anderem vom Hohepriester Imhotep geplant und errichtet, die erste Pyramide überhaupt in Ägypten – laut Ahmed. Wem der Name Imhotep nicht mehr geläufig ist, sollte sich die Mumie I-III anschauen. Aber Achtung hier es handelt sich dabei ja nicht um einen Film sondern um ein amerikanisches Movie. Laut Ahmed soll Imhotep ein ganz anständiger Kerl gewesen sein. Naja, wem soll ich mehr glauben? Der Filmindustrie in Hollywood oder meinem ägyptischen Guide?
PyramidenNach Sakkara ging es wieder etwas mehr zurück in die Stadt, oder besser an den Stadtrand von Gizeh, um die größte aller Pyramiden anzuschauen – die Cheops-Pyramide, seines Zeichens 146,6m hoch (laut Wikipedia bei Errichtung, heute nur noch 138,75m). Angekommen an der Pyramide machte ich den Fehler ein Kamel zu fotografieren. Gleich kamen aus allen Richtungen Leute auf mich zu gerannt und wollten mir ein Bild mit dem Kamel zusammen verkaufen. Dank Ahmed und ausgeprägter Ignoranz ließen sie nach ca. 100m ab von mir.
Kamel Cheops PyramideEigentlich wollte ich noch in die Cheops-Pyramide klettern, aber leider ist das Besucherkontingent auf 300 Personen am Tag eingeschränkt. So wich ich auf die zweite Pyramide aus – und mal ganz ehrlich: Das Geld kann man sich sparen, lange enge Gänge auf und ab, stickige Luft und am Ende ein etwas größerer Raum: leer. Wer sagen will: “Ich war drin!” sollte es machen. Wer auf enge und dunkle Gänge steht, dem kann ich eher die Tunnel bei Saigon empfehlen. Wer einfach nur Geld zahlen will, ich gebe Euch die Kontonummer unserer WG-Kasse.
Sphinx
Im Anschluss daran ging es noch kurz rüber zur Sphinx. Der liegende Löwenkörper mit Menschengesicht, dem Obelix damals die Nase abgerissen hat. Zu meinem Erstaunen – oder wider meines Wissens – gehört diese Statue nicht zur Cheops sondern zur Chephren-Pyramide. Das ist die mittlere, die ca. 1m kleiner ist als die Cheops aber deutlich größer wirkt, da sie dahinter steht und etwas höher (örtlich) gebaut ist. Jaja, die Perspektive macht’s.
Gut gebräunt, naja sagen wir eher rot, ging es dann gegen vier zurück zum Hotel.
Nach einer kurzen Verschnaufpause wollte ich mich auf dem Weg machen, einen Bankautomaten zu suchen, mit dem endgültigen Ziel später im Tausch gegen Monetäres meinen Magen mit etwas Essbarem zu füllen.
Gedacht! Getan! Los geht’s!

Der Bankautomat

Der Bankautomat war relativ einfach zu finden, aber im Gegensatz zu gestern wollte er mir kein Geld geben. Mist! Naja, probiere ich den nächsten. Wieder Fehlanzeige. Warum? Deckung “sollte” vorhanden sein. Vielleicht war jemand zwischendurch mit der Karte einkaufen? Gut, ich zückte die EC-Karte und war versorgt. Aber die andere Karte ließ mir keine Ruhe. Die Möglichkeiten schossen mir nur so durch den Kopf: Was kann der Grund sein? Nach kurzem Überlegen, rief ich in Deutschland an: Keine unerlaubten Abbuchungen. Die Frage, warum die Karte nicht funktioniert bleibt.

Blick über Kairo
Ein kleiner Einschub: Samir, der Hotelier steht grad neben mir und ich soll was Gutes über ihn und das Hotel schreiben. Also Ramses II Hotel Cairo Downtown, eine angemietete Wohnung in der 12. Etage mit Terrasse. Das Preis-Leistungsverhältnis ist ok. Und Samir ist netter Kerl, der zwar studiert hat, aber zu faul ist, sich einen anderen Job zu suchen (seine Worte).

Lost in Kairo

Nun wieder zurück: Geld hatte ich jetzt auf dem Rückweg und da dachte ich mir, eigentlich kannst du ja mal einen anderen Weg nehmen. Ich weiß nicht, wer ahnt es? Sven lost in Kairo.
Hungrig, die Straßen füllten sich immer mehr und mehr, die Stadt schien zu erwachen. Aus den Boxen der Moscheen schallten die Gebete durch die Straßen und ich lief in der Hoffnung den Weg zu finden. IchDas Cafe kam mir bekannt vor, der Optiker auch. Kein Wunder ich war vor einer halben Stunde schon mal hier. Nach einer Stunde hatte ich meinen Stolz überwunden und zückte eine Karte von Kairo. Genau die Karte, die gestern der Sicherheitsbeamte vor dem Museum minutenlang beäugt hat. Aber es half nichts. Ich weder konnte die Straßennamen entziffern noch einen wichtigen Ort identifizieren. Irgendwann sah ich das Schild “Ägyptisches Museum”. ‘Yeeaahh’, dachte ich, ‘kennst Du und weißt wie Du von dort aus zurückfindest’. Ich schlängelte mich ca. 5 Minuten durch die Massen und stand vorm Hotel. Ich bin wohl 1,5Stunden mein Hotel gekreist.

Dinner in Kairo

Nun ging es endlich zum Essen. Ich folgte der Empfehlung meines Hotels und ließ mich an einem Stand nieder. Ich wurde sofort von Vorne bis Hinten bedient. Viele Speisen, die ich nicht identifizieren konnte, aber es war lecker. Hier muss ich anmerken, Restaurantdie Portionen sind eindeutig zu groß, ich verstehe nicht, wie die Ägypter das alles runterbekommen. Das “böse” Erwachen kam dann bei der Rechnung. Ich hatte die arabische Speisekarte vor mir. Natürlich verstand ich kein Wort von dem was dort geschrieben war, nur die Zahlen (Die hatte ich ja im ägyptischen Museum gelernt.). Etwas verwundert, schaut ich drein, als die Rechnung jede Kombination von Preisen auf der Karte übertraf. Da wurde mir wohl etwas ganz besonders außerhalb der Karte zubereitet.

 


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