Eine Reise durch Pakistan


Was mache ich hier eigentlich? Die Frage habe ich mir öfter bei der Fahrt durch Belutschistan auf der Reise durch Pakistan gestellt. Doch rückblickend ist es eine der intensivsten Erfahrungen gewesen von Indien über Pakistan in den Iran zu fahren.

Eine Reise durch Pakistan von Indien in den Iran

Pakistan steht nicht sehr weit oben auf der Empfehlungsliste vor sicheres Reisen beim deutschen Auswärtigen Amt. Aufgrund von Sicherheitsrisiken wird von Reisen in gewisse Regionen abgeraten. Auf dem Weg in den Iran muss ich aber leider durch einige dieser Gebiete fahren. So spreche ich zur Vorbereitung der Fahrt mit vielen Leuten, die dieses Land vor Kurzem mit dem Auto bereist haben. Eines ist sicher: Ich werde Polizeibegleitung bekommen und auf extrem freundliche, aufgeschlossene Menschen treffen.pakistan-7

Der Weg von der indischen Grenze nach Sukker

Diese Erfahrung mache ich auch gleich an der Grenze. Während die Inder an der Grenze in Amritsar bei der Ausreise Loki fast zerlegt haben und über zwei Stunden alles am Auto geprüft haben und sehen wollten, werde ich auf der pakistanischen Seite gleich freundlich begrüßt. An jeder der zahlreichen Kontrollstellen am Grenzübergang ruft man mir ein „Welcome in Pakistan“ zu. Die Einreiseformalitäten sind schnell erledigt und das Carnet de Passage abgestempelt. Alles geht sehr schnell und ich bin in Pakistan.

pakistan-8Die Straßen sind ein Traum. Ich passiere Lahore und fahre Richtung Multan. Viele Reisende sagten mir, dass sie dort die erste Polizeieskorte aufgrund der Sicherheitslage erhalten werde. Na gut denke ich mir: ‘Aber heute mag ich noch keine Begleitung von Polizisten haben’ und so stoppe ich auf halbem Wege von Lahore nach Multan vor einem Restaurant. Ich werde extrem freundlich empfangen, man serviert mir Tee und dann traditionelles pakistanisches Essen. Mit Händen und Füssen unterhalten wir uns den Abend über. Die Pakistani sind sehr interessiert. Man lädt mich ein, mit dem Auto dort zu parken. Es wird langsam spät und so bleibe ich. Als ich nach der Rechnung frage, sagt man mir ich sei eingeladen. Wow.

pakistanAm nächsten Tag geht es weiter, ich passiere Multan. Von einer Polizeieskorte ist weit und breit nichts zu sehen. An den Mautstellen auf den Highways werde ich meist durch gewunken. Wenn die Leute realisieren, dass ich ein Ausländer bin, fangen sie an zu lachen, zu winken und rufen mir „Hello Sir“ zu. An einem Polizei-Checkpoint werde ich dann gestoppt. ‘Bekomme ich nun die Eskorte?’ Nein, sie wollen nur Tee mit mir trinken. Und so halte ich abends wieder nach Sukker vor einem Restaurant. Diesmal spricht ein Nachbar englisch. Zum Essen werde ich wieder eingeladen.

Ich passiere Sukker. Eine Polizeieskorte ist weit und breit nicht in Sicht.

Belutschistan auf nach Quetta

Ich bin recht schnell unterwegs und so erreiche ich die Grenze zu Belutschistan bereits am dritten Tag. Dort – an der Grenze zu Belutschistan – erwarten mich dann erstaunte Gesichter. Polizisten springen hinter der Schranke hervor und fragen mich, was ich hier alleine mache. Sie suchen meine Eskorte. Naja bisher hatte ich keine. Das soll sich jetzt aber ändern. Es wird telefoniert ich soll ins Haus kommen, draußen sei es zu gefährlich. „Ab jetzt geht es nur noch mit Eskorte“, heißt es. Und so ist es. Ich werde begleitet von einem Jeep. Naja aber nur bis zum nächsten Polizeiposten, dort steigt dann einer hinzu und der Jeep bleibt. Dann wechselt es ständig. Mal bekomme ich Motorräder, mal jemandem im Auto, mal einen Geländewagen mit montiertem Maschinengewehr und mal niemanden. Ich soll die nächsten Kilometer alleine fahren.

pakistan-9‚Wie niemanden’ denke ich mir. ‚Ich sollte doch überall Begleitung haben’, hieß es. ‘Ist es jetzt auf der Passage sicher oder…’ In meinem Kopf spielen sich alle möglich Szenarien ab. Ich bin angespannt. Jeder Mensch oder jedes Auto auf der Straße in dieser lebensfremden Wüstenlandschaft wird in meinem Kopf zu einem mutmaßlichen Kidnapper. So geht es etliche Kilometer bis ich wieder eine Begleitung erhalte.

Quetta und das NOC

Irgendwann spät am Abend erreiche ich Quetta. Ich werde, wie eigentlich alle Reisende ins Bloom Star Hotel gebracht. Bisher eigentlich immer ein No Go für Trucks, da die Einfahrt zu niedrig ist. „Ich habe sie erst vor Kurzem umgebaut. Sie ist jetzt vier Meter hoch“, meint der Hotelmanager. ‚Ja genau 4m’, denke ich mir. ‚Das sind maximal 3,5m und Loki ist 3,7m hoch, Du Depp.’ Ich will Loki woanders parken, auf dem Polizeigelände vielleicht. Doch irgendwie will mich der liebe Hotelmanager nicht fahren lassen, obwohl ich doch zurückkommen will, um hier zu übernachten. Ahhh, es entbricht eine Diskussion, ich sollte doch die Luft ablassen, dann passe ich schon rein. Toll, wie er Loki kennt. Aber nach 13 Stunden Fahrt jetzt mal probieren, die Luft abzulassen um 25cm zu gewinnen, halte ich nicht wirklich zielführend. Naja, irgendwann geht es dann doch durch die Stadt aufs Polizeigelände und wieder zurück. Auf zwei Motorrädern rasen wir zurück durch die Stadt.

pakistan-15Am nächsten Tag geht es aufs Amt. Ich bin leider in Quetta und brauche eine Genehmigung für die Reise nach Taftan (Grenze Iran). Wieder geht es auf Motorrädern durch das Gewimmel der Stadt. ‚Ist es wirklich sicher, mich hier auf einem Motorrad durchzufahren?’ denke ich mir. Auf dem Amt habe ich Glück. Alle Verantwortlichen sind im Haus und ich bekomme mein NOC recht schnell. Meine Eskorte hat anscheinend nicht vor dem Amt gewartet und so fährt mich ein unbewaffneter Polizist durch die Stadt zurück. ‚Ok, soviel zur Sicherheit. Ich darf nicht einmal allein das Hotel verlassen.’ Angekommen im Hotel finde ich dann meine Sicherheitspersonal beim Tee. ‚Alles klar. Ich bin ja sicher hier angekommen. Alles gut.’

Quetta nach Taftan – Reifenschaden

Pünktlich um halb Acht in der früh soll es losgehen. Oder doch nicht? Naja wir starten etwas später. Die Fahrt aus Quetta dauert etwas länger, da laufend das Sicherheitspersonal wechselt. Aber die Pünktlichkeit bei den Wechselpunkten lässt zu wünschen übrig. Endlich verlassen wir Quetta. Die Anspannung steigt. Immer noch ist nur Wüste um mich herum und ansonsten nichts weiter. Plötzlich passiert es. Lokis linker Vorderreifen ist platt. ‚Scheiße! Der wurde doch in Indien ebenso wie der Ersatzreifen erst repariert.’

pakistan-18Die Polizei bemerkt, dass ich stoppe und dreht um. „Beeil Dich, es ist nicht sicher hier.“, deute ich ihre Reden und ihre Zeichen. ‚Haha, ja genau. Reifen wechseln. Meine Rekordzeit liegt bei 50 Minuten’, denke ich mir. Naja etwas Routine habe ich ja. Aber die nervösen Polizisten um mich herum, machen das Arbeiten nicht wirklich leichter. Mein Puls steigt in der Situation ins Unendliche, Adrenalin schießt ins Blut. Irgendwie wechsle ich den Reifen unter 30 Minuten. Es geht weiter mit dem Ersatzreifen, der auch in Indien repariert wurde. ‚Hauptsache hält der wenigstens! Noch einen kaputten Reifen können wir uns nicht leisten.’ Es sind noch 250km bis zum Tagesziel Dalbandin. Gebannt beobachte ich alle paar Kilometer den Reifen. Die Luft scheint zu halten. Puuh.

Wir erreichen nach einigen Wechseln der Eskorte auch abends Dalbandin. Das Hotel soll ich nicht verlassen. Es ist nicht sicher draußen. Nach der Aufregung vom Tage bin ich auch erschöpft und gehe schnell schlafen.

Am nächsten Tag geht es dann weiter Richtung Taftan. Ich will aber vorher den Reifen reparieren lassen. Und es findet sich auch ein Reifenshop im nächsten Ort. Loki wird auf dem Gelände der Levies Force geparkt, quasi die lokalen Sicherheitsbeamten. Ich darf mal wieder das Gelände nicht verlassen und muss mich im Haus verstecken. Der Reifen wird abgeholt und ich schaue den Sicherheitsbeamten beim Karten spielen zu. ‚Die Waffen stehen irgendwie sehr weit weg. Erreichen sie diese im Ernstfall überhaupt? Naja, die wissen schon, was sie tun’ beruhige ich mich.

Nach zwei Stunden darf ich dann doch mal unter Begleitung von vier schwerbewaffneten Personen rüber zum Reifenshop und mir die Arbeit anschauen. Im benachbarten Haus werde ich auch gleich auf einen Tee eingeladen. pakistan-20Irgendwann ist dann der Reifen fertig und es geht weiter durch die Weiten Belutschistans Richtung Taftan. Die Polizisten wechseln ab und zu und ich fahre. Eigentlich nicht wirklich spannend. Bis ich plötzlich eine Eskorte erhalte, die vor dem Start erst mal Diesel in den Tank füllen muss. Im nächsten Ort wird dann erst mal noch mehr Diesel gesucht. Wenn das aber nur das einzige Problem wäre. Die beiden Polizisten springen wie aufgeschreckte Hühner aus dem Auto und kontrollieren den Motor. Die Waffen, wenn sie denn überhaupt welche dabei haben, sind im Auto. Der Kühler ist defekt. Naja reparieren können sie ihn so schnell nicht. Also wird nur Wasser nachgefüllt, bis zum Anschlag. Dann geht es weiter. Nach 20-30km wird gestoppt. Es wird wieder Wasser in den Kühler gefüllt. So geht es ungefähr 120km weiter. Stoppen, ohne Waffen aus dem Auto, aufgeregt Wasser nachfüllen und weiter. ‚Wow, und die beiden sollen mich im Ernstfall schützen. Na danke.’

Durch die Reifenreparatur, das kaputte Begleitfahrzeug und durch eine deutlich verspätete Abfahrt am Morgen erreichen wir die Grenze 15 Minuten zu spät. Sie ist geschlossen. So verbringe ich einen weiteren Tag in Pakistan. Diesmal auf dem Parkplatz des Polizeihofs. In der Nacht gibt es noch etwas Tumult. Ca. 100 Pakistani werden auf den Polizeihof gebracht. Es seien pakistanische Flüchtlinge, die auf der iranischen Seite von der Polizei erwischt wurden.

Am nächsten Tag geht es dann in den Iran. Aber das ist noch nicht das Ende der Polizeieskorten. Ich bin weiterhin in Belutschistan nur auf der iranischen Seite.

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