Autoreise durch China 4


Es ist alles andere als einfache eine Autoreise durch China zu organisieren. Es empfiehlt sich für Reisen mit dem eigenen Fahrzeug eine Reiseagentur einzuschalten, die einem die Arbeit für die Organisation der Formalitäten abnimmt.

 

Autoreise durch China

 

Bei unserer Autoreise durch China (geplant Mongolei nach Nepal 30 Tage) sind wir vier Fahrzeuge. Mit der Organisation haben wir bereits ein Jahr vorher angefangen.

 

Formalitäten

Für die Einreise nach China mit dem eigenen Fahrzeug erfordert im Vergleich zu anderen Ländern viel Papierkram.

Man benötigt eine chinesische Fahrerlaubnis, ein chinesisches Kennzeichen, einen TÜV-Bericht (am Besten auf chinesisch übersetzt), die komplette Route inklusive Genehmigungen für die Reise durch die verschiedenen Regionen, Genehmigungen für die Nutzung der Autobahnen, Kaution für das Fahrzeug (Carnet de Passage wird nicht akzeptiert) usw.

In unseren Augen war der Aufwand für die Vorbereitung zu hoch und praktisch unmöglich alle Genehmigungen selbst zu organisieren. Wir haben uns daher für eine chinesische Reiseagentur entschieden.

 

Auswahl der Reiseagentur

Im Internet finden sich diverse Angebote für Selbstfahrer, die mit dem eigenen Auto durch China reisen wollen. Doch bedarf es einer bestimmter Erfahrung und Seriosität der Agenturen, die ganze Reise zur Zufriedenheit abzuwickeln. Am Anfang stand für uns die Einholung von Angeboten sowie die Überprüfung der Agentur durch Rücksprache mit früheren Kunden. Am Ende haben wir uns für China Chengdu Greatway Tour Co., Ltd. Entschieden. Im Hinblick auf unsere geplante Durchfahrt durch Tibet, die in unseren Augen erfahrenste und seriöseste Gesellschaft.

Tour Guide

Wenn Ihr eine Reise über eine Chinesische Reiseagentur bucht, werdet Ihr immer einen Guide an die Seite gestellt bekommen. Ein Guide ist jemand, der bei Euch 30 Tage mit im Auto sitzt. Es ist richtig, dass man für gewisse Regionen eine Begleitung braucht, aber nicht für alle.

Solltet Ihr es doch versuchen wollen ohne Guide, können wir Euch die Webseite von Laura empfehlen. Sie sind 2014 mit eigenen Motorrädern ohne Guide durch China gereist.

Kosten minimieren – Mitfahrer suchen

Die Kosten nur für die Buchung der Autoreise durch China sind schon enorm. Für ein Fahrzeug mit zwei Personen werden ca, 6.000USD für 30 Tage verlangt. Bei vier Fahrzeugen liegt man gesamt bei ca. 9.800 USD. Was die Kosten für ein Fahrzeug schon erheblich reduziert. So nutzten wir einige Monate vor Abreise um andere Interessenten für unsere Reiseroute in diversen Reiseforen zu finden. Was uns letztendlich auch gelang.

 

Die Einreise

Bei unserer Ankunft an der chinesischen Grenze erwartete uns bereits schon unser Guide Toni. Die kompletten Unterlagen standen den Grenzbeamten, dank unserer Agentur, schon zur Verfügung. Es folgte die Überprüfung der Fahrgestellnummer, der Motorennummer sowie ein kurzer Blick ins Fahrzeug. Doch wir durften mit dem Auto nicht die Grenze verlassen. Weitere Formalitäten waren nötig, so dass wir die Nacht in einem Hotel verbringen mussten. Die für den nächsten Tag geplante Abholung der Fahrzeuge verzögerte sich dann auch immer weiter. Toni unser Guide durfte uns zwar schon die chinesischen Führerscheine aushändigen (keine Prüfung), doch gab es eine Nachforderung seitens des Zolls für die Höhe der Kaution. Es zeigte sich, dass die bereits im Vorfeld von uns an die Agentur überwiesenen 5.000USD pro Fahrzeug bei weitem nicht ausreichend waren. Insgesamt bestand der Zoll auf Zahlung von ca. 20.000USD pro Fahrzeug. Der Differenzbetrag wurde durch unsere Reiseagentur zur Verfügung gestellt. Bei diesem Punkt erschließt die Notwendigkeit, dass wir für die kompletten 30 Tage einen Guide der Agentur mitnehmen müssen.

Nach Zahlung der Summe waren die Grenzformalitäten abgeschlossen, doch noch immer durften wir nicht weiterfahren. Eine zusätzliche Überprüfung der örtlichen Polizei war notwendig. Eine technische Überprüfung des Fahrzeuges gab es nicht, doch mussten wir den letzten Bericht der technischen Überprüfung des Autos vorlegen. Für unseren Guide bzw. die Travel Agency war dieser Punkt neu, so dass in der nächsten Nacht die Berichte übersetzt und beglaubigt wurden.

Eine weitere Überprüfung der Fahrgestell- sowie Motorennummer durch die lokale Polizei erfolgte dann am dritten Tag. Gleichzeitig erhielten wir die chinesischen Nummernschilder und durften endlich fahren.

 

Achtung – keine politischen Weltkarten am Auto

Viele Reisende, die wir in den letzten Monaten getroffen haben, zeichnen ihre Route außerhalb auf einer – meist politischen – Weltkarte nach. Diese kann an der chinesischen Grenze – wie im Fall einer unserer Mitreisenden – problematisch werden. Seitens der chinesischen Regierung sind diese nicht zugelassen. Hintergrund sind wohl Streitigkeiten mit Nachbarländern über verschiedenste Grenzregionen. Diese Karten müssen außen am Auto entfernt werden oder China sollte zumindest vorher überklebt werden. Nach dem Motto: Was das Grenzbeamte nicht sieht, gibt es nicht zu beanstanden.

 

Straßen – Straßenmaut

Highway China

Highway in China

Die chinesischen Straßen sind im Gegensatz zu ihrem Ruf ein Traum. Solange man auf dem Highway bleibt, fährt man durch unzählige Tunnel über unzählige Brücken auf einer meist dreispurigen Straße. Doch das hat auch seinen Preis. Es werden Autobahngebühren in nicht unerheblicher Höhe fällig – bis ca. 10-20USD-Cent pro Kilometer.

Die Landstraßen sind meist Maut frei. Doch auf den meist einspurigen sich durch die Berge schlängelnden Straßen fahren viele LKW’s .Am Anfang haben wir versucht auf diese auszuweichen, aber bei 200-300km am Tag (unser Fahrzeug fährt max. 80km/h) sitzt man 30 Tage nur am Steuer.

 

Polizei

Die Polizei ist super freundlich. Wir wurden des Öfteren angehalten, doch ging es hier meist nur darum Fotos zu schießen. Ausnahme bilden hierbei die Grenzregionen, wo längere Kontrollen stattfinden.

 

Die Leute und die Sprache

self driving China-2Die Chinesen sind äußerst neugierig und interessiert. Wir wurden an jeder Ecke fotografiert: auf der Autobahn, in der Stadt, an Mautstellen, vom Auto aus (was schon mal gefährlich sein kann), beim Kaffeetrinken usw.

In den Ballungsstädten kann es schon mal passieren, dass man einen Chinesen findet, der Englisch spricht. In den ländlichen Gebieten ist das fast unmöglich. Hier waren, wir doch sehr froh mit unserem Toni einen Übersetzer dabeizuhaben.

 

Verkehr

self driving China-5Die Chinesen fahren eigentlich sehr rücksichtsvoll. In Städten kann es schon mal etwas unübersichtlich werden, aber der Verkehr läuft noch geregelt. Meist werden die Fahrspuren benutzt und aus einer vierspurigen Straße wird keine achtspurige. Das haben wir in Moskau, Kairo, Ulan-Bator schon deutlich schlimmer erlebt. Zu unserer Überraschung waren die Verkehrsschilder meist auch in Englisch.

 

Überwachung

self driving China-10In China stehen an jeder Maut-Station Kameras. Auch auf der Autobahn und Landstraße wird der Verkehr regelmäßig fotografiert. Es ist nicht möglich irgendwo hinzufahren, ohne dass es jemand weiß. Am Abend machte unser Guide von uns allen am Stellplatz auch noch Fotos – offiziell für seinen Chef. Weiterhin reicht der Check-In des Guides im Hotel aus, dass die örtliche Polizei weiß, wo wir sind, oder zumindest unseren Guide fragen kann.

 

Stellplätze

Wir hatten wirklich Glück und standen meist auf schönen Parkplätzen in Innenstädten. Wie wir gelesen haben, geht das auch anders. Viele andere Reisende mussten auf Hinterhöfen von Hotels nächtigen. Das haben wir unserem Guide Toni zu verdanken, der aufgrund seiner Erfahrung mit Autoreisenden, die Hotelhinterhöfe für uns umgehen konnte.

 

Routenänderung

Aufgrund eines verheerenden Erdrutsches in Nepal mit vielen Toten mussten wir unsere Route abändern und nach Laos ausreisen. Wir hätten nicht erwartet, dass es so viel Arbeit nach sich zieht. Bereits drei Wochen vor Ausreise mussten wir uns entscheiden, damit die Agentur die Genehmigungen und die Dokumente für den neuen Ausreiseort zusammenstellen konnte. In diesem Zusammenhang haben wir erfahren, dass bereits vor unserer Ankunft alle Formalitäten an der Grenze vorliegen müssen.

 

Ausreise

Die Ausreise lief so etwas von unproblematisch. Toni hat uns dabei noch kurz unterstützt. Es wurden weder die Fahrzeuge angeschaut, nach Fahrgestellnummern oder ähnliches geprüft. Ein Stempel in den Pass und der Schlagbaum wurde geöffnet.

 

Wenn Ihr noch einige Fragen zum Fahren in China habt, die hier nicht beschrieben sind, fragt uns einfach.

 


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4 thoughts on “Autoreise durch China

  • Jo

    Sehr interessant! Vielen Dank für die Infos.

    Darf man Fragen, was ihr letztlich für das “komplettpaket” bezahlt habt?
    Wir planen ebenfalls eine “Durchreise” mit dem Wohnmobil….allerdings gibt es nirgends ausführliche Infos über die konkreten Preise 🙁
    Über eine Antwort würde ich mich freuen.
    Jo

    • Sven Gruse Post author

      Hallo Jo,

      was wir komplett für Durchreise gezahlt haben, können wir Dir leider nicht sagen. Wir haben Kosten für Maut und teilweise für Übernachtungen nicht aufgeschrieben.
      Für die Gruppe haben wir knapp 10.000USD für vier Fahrzeuge an die Reiseagentur überwiesen. Das sind pro Fahrzeug ca. 2.500USD. Hinzu kam noch Sicherheiten für das Fahrzeug von 5.000USD, welche wir aber problemlos innerhalb weniger Tage nach der Ausreise wieder bekommen haben.
      Einen gesamten Preis wirst Du wahrscheinlich nicht finden. Es ist davon abhängig, wie viele Fahrzeuge Ihr seid. Welche Strecke Ihr fahren wollt. Wie lange Ihr in China bleiben wollt. Welche Sehenswürdigkeiten ihr Euch anschaut (Eintritte p.P. meist 10-20USD). Fahrt Ihr mehr auf Landstraßen oder Autobahnen? usw.

      Sucht Euch am besten ein paar Mitfahrer (Online-Foren) und dann fragt die Preise bei den einzelnen Agenturen an.

      Viele Grüße

      Astrid&Sven